Posts mit dem Label alltag freunde buch links werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label alltag freunde buch links werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 11. Mai 2015

Meine Foodie-Woche: re:publica, Erdbeeren und Green Kitchen Stories (vorsicht, lang!)

Hach, was war das für eine großartige Zeit auf der re:publica. Wie im letzten Jahr ging das alles viel, viel, viel zu schnell vorbei und ich bin froh, dass ich mir diesmal den Freitag frei genommen habe und so noch ein paar Tage Zeit hatte, das Erlebte nachwirken zu lassen, bevor wieder der reguläre Büro-Alltag losging...

Normalerweise bin ich ja sehr faul, was das Mitschreiben in Vorträgen, Seminaren und Workshops angeht, aber dieses Mal habe ich an den drei Tagen so viel notiert, wie wahrscheinlich an keinen drei aufeinanderfolgenden Uni-Tagen meines Lebens. Die ganzen Anregungen, Links und Denkanstöße muss ich auf jeden Fall nochmal in Ruhe durchgehen, ebenso wie ich noch eine Menge Talks nachgucken muss, die ich verpasst habe. Dabei habe ich mir - wie letztes Jahr - ein sehr straffes Programm jeweils von 10 bis 20.45 Uhr auferlegt und habe insgesamt nur zweimal kurzfristig eine Session ausfallen lassen, um mich mit Leuten zu treffen, bzw. etwas zu essen.

Meinen kompletten Session-Plan mit Links findet Ihr am Ende dieses Beitrags - ausführlich soll es ja hier um meine Foodie-Erlebnisse gehen, speziell Tag 2 war ja sehr ergiebig für Menschen wie mich. Es standen nämlich ganze 3 (in Worten: drei) essensthematische Sessions auf dem Plan. Los ging es mit Blick über den Tellerrand - Food Blogging 2.0, (Audio) einer Diskussionsrunde mit Malin Elmlid, Hendrik Haase, Carmen Hillebrand und Eva Schulz. Kernthese war, dass es bei dieser "neuen" Art von Foodblogs um mehr als reines Rezepte-Posten, Restaurant-Kritisieren und Mund-wässrig-Machen geht, sondern zusätzlich eine gehörige Portion Aktivismus vorhanden ist: Für gutes Essen, regional, nachhaltig und sozialverträglich. Malin Elmlid kommt aus Schweden und war sehr überrascht, dass es in Deutschland, dem Land des Brotes, schwer ist, gutes Sauerteig-Brot zu finden. Sie lernte also selbst backen und begann, ihre Brote gegen Geld, Sachen oder Erfahrungen zu tauschen. Zu Beginn bekam sie für ein Brot vielleicht 2 €, inzwischen kann es auch schonmal ein Wochenende in einem Luxus-Hotel sein. Ihr Blog The Bread Exchange erzählt die Tauschgeschichten, die den eigentlichen Wert guten Brotes sichtbar machen. (Passend zum Thema könnt Ihr übrigens derzeit in der MDR-Mediathek noch meinen guten Freund Stefan Richter bei Unter Uns über seine Kampagne #lidllohntnicht reden hören und sehen - irgendwo in der zweiten Hälfte der Sendung.)

Hendrik Haase ist dem Internet als Wurstsack bekannt - er beschäftigt sich vordergründig mit gutem Fleisch, guter Wurst und dem Fleischerhandwerk. Drumherum ist er aber auch mal als Ein-Mann-Lobby beim Ministerium für Verbraucherschutz unterwegs und engagiert sich ganz allgemein für gute, regionale Produkte sowie traditionelle Lebensmittel und Zubereitungen. Ihm ist es zu verdanken, dass ich jetzt möglichst schnell mal bei Nobelhart und Schmutzig essen gehen will, deren Küche "brutal lokal" ist und nur Produkte verwendet, die in und um Berlin hergestellt werden. Was ich sonst noch aus dem Panel mitgenommen habe:

  • In Schweden geben die Menschen inzwischen mehr Geld für Essen, als für Mode aus. (Yay! Willkommen in meiner Welt ;))
  • Foodblogger konkurrieren tendenziell nicht miteinander, sondern unterstützen einander im Kampf um die gute Sache - als Beispiel der "Dishstorm" gegen Bertolli (Würde mich interessieren, ob da alle zustimmen?)
  • Es gibt einen gravierenden Wissens- und damit Identitätsverlust, was unser Essen angeht.
  • Rohmilchbutter mit Wasser aufgeschlagen ist unheimlich cremig - das muss ich demnächst probieren.
  • Industrie und Politik nehmen die Foodblogs durchaus wahr. Praktikanten und Pressemitarbeiter haben zum Beispiel die Aufgabe, die relevanten Blogs zu studieren - Foodblogging kann also durchaus ganz konkret Verbesserungen bewirken.
  • Blogs sollten als Innovationsmotor für die Foodbranche genutzt werden - ein Silicon Valley für Food sozusagen.
  • Die Spargel-Saison zeigt, dass Produkte nicht immer verfügbar sein müssen, um profitabel zu sein. Ich hasse Spargel, aber als Argument taugt er.

Zum Schluss gab es Wurstsack-Wurst und Bread Exchange-Brot - das Craft Beer, das Enthusiastin Carmen Hillebrand mitgebracht hatte, habe ich mir geschenkt - es gab dann später aber noch welches für mich ;)




Die nächste Food-Session war ein Workshop mit zwei Leuten von chefkoch.de - Chefkoch.de ist Pornokuchen und Partizipation (Video) - der brechend voll war. Ob das am Thema oder dem versprochenen und auch ausgeschenkten Gin lag, vermag ich nicht zu entscheiden. Interessant was, dass die Mehrzahl der Teilnehmer die Seite nutzt, aber nur ein Bruchteil in der Community registriert ist. Ich gehöre zu diesem Bruchteil, auch wenn ich meistens nur drin herum lese und Rezepte sammle und mich in all den Jahren bisher nur selten selbst zu Wort gemeldet habe. Das liegt unter anderem an den strengen Regeln, die sich die User dort auferlegen und auch durchsetzen, z.B. dem Besten auf einer formalen Begrüßung und Verabschiedung bei jedem Post oder dem Verbot von Links zu externen Seiten im ersten Post eines Threads - auch auf Produkte und andere Kochseiten darf nicht verlinkt werden. Das hat mit Web2.0 oder Social Networks nichts zu tun, was daran liegt, dass es die Seite nun schon seit 18 Jahren gibt und durchschnittliche User und Userinnen um die 60 Jahre alt sind. Man hat es sich gemütlich gemacht, stellt sich morgens ein Käffchen in den Thread und verschläft die Entwicklung draußen.

Genau das wollen die Betreiber der Seite jetzt ändern und sie baten auf der re:publica um unseren Input - scheinbar Teil einer großangelegten Change-Strategie, zumindest fielen die Begriffe SCRUM und Agile mehrfach. Grob gesagt ist das Ziel, die Community, die Rezeptdatenbank und den Magazinbereich besser miteinander zu vernetzen und auch offline einen gewissen Impact zu haben. Auch wenn die Präsentation des ganzen etwas merkwürdig war, evtl. dem gegen das Lampenfieber getrunkenen Gin geschuldet, bin ich gespannt, was aus den Ansätzen und Previews in Zukunft wird.

Direkt im Anschluss fand das Panel My Edible Jetpack statt, bei dem Karyn Riegel das Aufkommen und die Verbreitung von Food Trends durch die sozialen Netzwerke analysierte. Aus den gewonnenen Erkenntnissen wurden mit Hilfe von IBM Chef Watson, einer App, die einem aus bestimmten Zutaten Rezepte zusammenstellt, Gerichte kombiniert, die wir dann gemeinsam verkosteten. Lernen und essen - so lobe ich mir das.



Grünkohl-Chips und Pale Ale gab es gekauft dazu.




Veganer Bürger mit Laugenbrötchen, Feldsalat, mariniertem Tofu und einem Relish aus eingelegten Zitronen, Tomate und Fenchel.



Veganer Bürger mit Laugenbrötchen, Feldsalat, mariniertem Tofu und Cole Slaw aus Chinakohl. Die dritte Variante war übrigens mit in Mezcal geschmorten süß-sauren Zwiebeln. Da Zwiebeln und ich uns nicht so gut vertragen, hab ich davon nur eine Fingerkuppe voll gekostet und kann sagen: Interessant. Das Relish und der Cole Slaw waren hingegen superlecker. In der Auswertung über Twitter und Instagram hat am Ende laut Karyn das Relish gewonnen - auch mein persönlicher Favorit. Ich bin also erstens Mainstream, zweitens würde mich nicht wundern, wenn das Relish demnächst bei einem der zahlreichen Street Food Markets dieser Stadt auftaucht.

Noch während mein Foodie-Herz über diese tollen Sessions lachte, erreichte mich über Instagram die Einladung, am Samstag einer Präsentation von David von Green Kitchen Stories, moderiert von Luise von The Wednesday Chef, über die Green Kitchen Stories-App und ihre Integration mit der Apple Watch im Apple Store zu besuchen. Natürlich bin ich hingegangen - weniger wegen App und Uhr, als um der Gelegenheit willen, David live zu sehen und Luisa mal persönlich kennen zu lernen, bevor ich in 5 Wochen ihren Workshop in Sizilien besuche. 



Beim Betreten des Raums, der als eine lange Tafel arrangiert war, fiel mir als erstes das Mise en Place auf:

#

Tatsächlich hat David während der Präsentation ein Dessert zubereitet - leider nur zwei Portionen davon und wer sie am Ende gegessen hat, weiß ich gar nicht. Entstanden ist ein Chia-Himbeer-Dessert mit Cashew-Butter, Hanfsamen, Kokosraspel, Vanille, Nussmilch, Kiwi und Minze. Neben der Inspiration und dem netten Gespräch mit Luisa nahm ich noch einige Tipps für Essensfotos mit dem iPhone mit nach Hause.




Apropos nach Hause: Zuhause gab es foodie-technisch auch ein paar Highlights in der letzten Woche! Der Hase hat aus dem mitgebrachten Bärlauch eine sehr intensive Bärlauchbutter gemacht, die seitdem auf Brot und Brezel, in der Béchamel-Sauce und im Blumenkohl-Auflauf gelandet ist. Soooooo gut! Außerdem zu empfehlen: Der Stachelbeer-Trunk rechts im Bild.




Inspiriert von Davids Chia-Dessert habe ich dann noch versucht, Rhabarber-Kompott mit Chia-Samen anzudicken. Das sah vor allem gut aus - evtl. sollte ich die Samen nicht direkt ins heiße Kompott einrühren. War trotzdem schön rhabarberig.




Die Erdbeer-Saison (so viel wichtiger als Eure blöde Spargel-Saison!) ist endlich, endlich, endlich eröffnet und so wird es jetzt bis mindestens zu meinem Geburtstag in 6 Wochen hoffentlich keinen einzigen erdbeerlosen Tag für mich geben!





Am Sonntag beschlossen wir die Foodie-Woche mit unserem Premierenbesuch bei Bun Bao.


Bun Bao Burger mit scharfem Hähnchen und eingelegtem Rettich bzw. für mich vegan mit einem Mungobohnen-Patty, Mango und Spinat. Dazu Pommes, Süßkartoffel-Pommes, Avocado-Salsa, Minztee und Chia-Limetten-Zitronengras-Shake




Und weil Instagram mich quasi gezwungen hat, gab es dann noch ein Hokey Pokey-Eis für den Hasen und für Rhabarber-Crème Fraîche und Blaubeere-Baiser. Hachz.

Samstag, 21. März 2015

Vermischtes

Hui, gestern war ein langer Tag - sehr viel Schönes, aber in der Summe dann eben doch überraschend anstrengend. Obwohl ich frei hatte, wurde ich schon um 7 wach - vielleicht lag da schon die Wurzel des Übels. Frühstück hab es sozusagen auf die Hand unten im Stammcafé. Einen Milchkaffee, ein Croissant und einen Avocado-Bagel. Damit machten wir uns auf in den Simon-Dach-Kiez. An einem leeren Tisch vor einem noch geschlossenen Kiosk auf dem RAW-Gelände verzehrten wir die letzten Bissen und warteten auf eine Freundin und ihr 8 Monate altes Baby. Dann machten wir zusammen einen ausgedehnten Spaziergang, der uns schließlich pünktlich zum Höhepunkt der Sonnenfinsternis auf eine Spielplatzbank auf dem Boxi führte (Boxhagener Platz für die Nicht-Berliner). Dort saßen wir dann mit dem Rücken zur Sonne und plauschten, während wir mit Sonnenbrille gewappnet auf unsere Handy-Displays schauten und ab und zu eine Ahnung davon erhaschten, wie die Bilder in den Medien später aussehen würden. Dann ging es noch auf einen Tee in die Wohnung der Freundin.

Zum Mittag war ich dann jedoch in Schöneberg verabredet - die Schwangerschaft der Lieblingsschmarotzerin geht gerade in die heiße Endphase. Noch geht es aber nicht los und so konnten wir gemütlich beim Inder sitzen und hinterher noch das erste Eis des Jahres bei Vanille Marille ergattern. (Da ich nur noch Bauchplatz für eine Kugel hatte, musste das Mango-Sorbet mal wieder im Laden bleiben, während ich mir die "Birne Gute Luise" schmecken ließ - Birneneis gibt es nirgends so gut wie bei Vanille Marille!)

Nachmittags ging es dann zu meinen Eltern und einigen Wohnungsdekorationsmaßnahmen und Kuchen zur Belohnung. Danach hatte ich noch ein Date zum Kontrolltraining bei Kieser - freitags um 20:30. Riesenidee... Ich schlief auf dem Hinweg schon fast ein, als die Straßenbahn plötzlich hielt und alle aussteigen mussten, weil es ein technisches Problem gab. Dann also  nochmal zwanzig schnelle Minuten zu Fuß und nur zehn Minuten zu spät zum Termin angekommen. Der Fußmarsch hat mich zum Glück wieder einigermaßen wach gemacht, so dass ich das Training einigermaßen würdevoll überstanden habe. Seitdem bin ich jetzt aber komplett platt. 

Trotzdem möchte ich noch schnell zwei Hinweise loswerden. Zum Einen ist heute Indie Book Day und ich werde mich dann nachher doch mal kurz aus dem Haus trauen um in der Buchhandlung um die Ecke ein Buch eines unabhängigen Verlags zu kaufen - welches es wird, weiß ich noch nicht. Im Moment brennt mir keins unter den Nägeln. Aber im Buchladen stöbern ist ja sowieso immer ein guter Zeitvertreib.

Zum Anderen möchte ich noch dringend auf eine Aktion von einem Freund aus der alten Heimat hinweisen. Er ist Bäcker und zurecht erbost über die aktuelle Werbekampagne von Lidl, nach der man gutes Brot vor allem an Labortests und dem billigen Preis erkennt. Da Stefan nicht nur Bäcker, sondern auch Social Media-affin ist, ließ der Shitstorm #lidllohntnicht nicht lange auf sich warten - auf Facebook und Twitter geht es rund und auch die Dresdner MOPO und der Stern berichteten. Ich bin leider bisher nicht dazu gekommen, möchte das jetzt aber hiermit nachholen und freue mich über weitere Unterstützung für Stefan!